Der Vertrag von Tordesillas

Portugal und Spanien teilen sich die Welt

Vor über 500 Jahren hatten es Kastilien, das heutige Spanien, und Portugal eilig. Die beiden Länder beherrschten damals die Weltmeere und damit den Handel in und mit der seinerzeit bekannten Welt. Der Zugang zu den begehrten Gewürzen in Indien und anderen Teilen Asiens versprach Reichtum, Wohlstand und Macht, die jedoch nur auf dem langen und gefährlichen Weg um Afrika und das Kap Horn herum erreichbar waren.

Die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, der im Auftrag des kastilischen Königshauses eigentlich einen kürzeren Weg nach Indien in westlicher Richtung finden sollte, dabei aber den damals den Europäern unbekannten Kontinent entdeckte, der später Amerika genannt wurde, veränderte die Präferenzen beider Mächte erheblich. Offenbar gab es dort nicht nur Landbesitz und damit Machtbereiche, sondern vor allem Gold und Edelhölzer zum eigenen Wohl zu sichern.

Fatalerweise musste Kolumbus die Rückkehr von seiner ersten Entdeckungsfahrt 1493 aufgrund der Wetterbedinngungen ausgerechnet in Lissabon unterbrechen und damit seine Berichte über die neu entdeckten Gebiete dem König Portugals geben, bevor sie den eigentlichen Auftraggeber in Kastilien erreichten. 

So vorbereitet, verlangte Portugal von Kastilien die Abtretung der von Kolumbus in Besitz genommenen Gebiete an Portugal - auf der Grundlage des Vertrages von Alcácovas, mit dem beide im Jahr 1479 ihre Machtbereiche auf See aufteilten. Portugal sollten alle Küsten und Inseln unterhalb der Kanarischen Inseln zustehen, sowohl die bekannten als auch die bis dahin unbekannten. Wohl niemand dachte damals an die Frage, ob dieser Vertrag auch mehrere tausend Meilen entfernte, unbekannte Gebiete im Atlantik erfassen sollte - dort, wo niemand Land oder gar einen Kontinent vermutete. Die Lage war also unklar und es ging um vermutlich erhebliche Schätze, die es zu sichern galt. Der Papst musste entscheiden.

Und er entschied, dass die Grenze der Machtbereiche Spaniens und Portugals etwa 100 Meilen westlich der Azoren durch eine Nord-Süd-Linie gezogen wird, mit dem spanischen Bereich westlich und dem portugiesischen Bereich östlich davon. Nur konnte man damals noch keine Längengrade messen und wo genau die äußerste Grenze der Azoren liegt, war nicht sicher. Eine insbesondere für Portugal nachteilige Vereinbarung, die vom dortigen Königshaus nicht akzeptiert werden konnte. Man begann Verhandlungen mit Spanien um eine einvernehmliche Regelung ohne Beteiligung des Papstes. Der Vertrag von Tordesillas wurde im 1494 geschlossen.

Dort ist geregelt, dass die Grenze beider Machtbereiche etwa 2.300 km westlich der äußersten Kapverdischen Insel auf einer Linie vom Nordpol zum Südpol liegen soll - und damit die Küste des heutigen Brasilien noch von Portugal in Besitz genommen werden konnte, während der allergrößte Teil Südamerikas, damals noch unbekannt, Spanien zufiel.

In ganz Südamerika ist die Landessprache Spanisch - mit einer Ausnahme: Brasilien. Dort wird Portugisisch gesprochen als Folge des vor über 500 Jahren geschlossenen Vertrags von Tordesillas.

Quellennachweise - wertvolle Anregungen, Beiträge und Informationen verdanken wir:

  • Bernd Roeck: “Der Morgen der Welt” (Beck-Verlag)
  • Wikipedia

Der Buchtipp:

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