Anne Cheng

"Geschichte des chinesischen Denkens"

Beginnend 2.000 Jahre v. Chr. und damit über einen Zeitraum von 4.000 Jahren hinweg zeichnet Anne Cheng in ihrem Werk die Grundlagen und die Entwicklungen des Denkens und Handelns im China seiner jeweiligen Zeit nach. Denken und Handeln, weil im chinesischen Verständnis beides nicht voneinander zu trennen ist. Denken ist auf die Wirklichkeit bezogen und die Wirklichkeit soll dem Denken entsprechen. Das alltägliche Leben der Menschen, der einfachen bis hin zu den Herrschern, wird durch eine Vielzahl von einzuhaltenden Riten in einem immer gleichen Fluss gehalten. Damit unterscheidet sich das Denken im China der vergangenen 4 Jahrtausende grundsätzlich von dem, was etwa im europäischen oder auch arabischen Raum als Philosophie verstanden wird.

Aus dieser grundlegend anderen Bedeutung des Denkens und in der Folge damit des Handelns nach chinesischem Verständnis im Vergleich zum lateineuropäischen oder arabischen ergeben sich neben anderen wesentliche Fragestellungen: (1) Gab und gibt es in China überhaupt ein Denken, das man als Philosophie bezeichen kann, die doch losgelöst von der aktuell vorherrschenden Lebenswirklichkeit gerade Denkmodelle entwickelt, die auf Änderung oder Weiterentwicklung der Gegebenheiten zielen? (2) Gegen welche Widerstände und mit welchen Schwierigkeiten konnten in China Änderungen durchdacht und herbeigeführt werden, wenn Denken und Handeln sich gegenseitig im Ist-Zustand stabilisieren sollen, Veränderungen also als Störung gesehen werden, zugleich aber die Notwendigkeit von Weiterentwicklungen und damit Änderungen erkannt wurde?

Das Werk zeichnet in exzellenter Weise die langen Linien des Denkens im China der Vergangenheit bis zum China der Gegenwart nach. Es folgt den Epochen der chinesischen Reiche, ihren Herrschern und Denkern, dem Bewahren und Verändern in einer klaren, verständlichen Weise, die es für jeden Leser zu einem hochinteressanten Erlebnis macht. Taucht man beim Lesen ein in dieses Verständnis von Gegenstand und Ziel des Denkens, öffnet sich der Blick dafür, dass und warum das heutige China in wesentlichen Fragen denjenigen Überzeugungen folgt, die Staat und Gesellschaft seit langem tragen. Aus unserer lateineuropäischen Sicht, entstanden aus zahllosen Brüchen, Neuanfängen, Weiterentwicklungen, erscheint manches fremdartig, das uns in und aus China begegnet. Fremdartig bedeutet aber nicht schlechter oder minderwertig, sondern eben das: anders. Das zu erkennen, ist einer der Gewinne, die man beim Lesen des Werkes erzielt.

“Geschichte des chinesischen Denkens” von Anne Cheng ist erschienen beim Meiner Verlag.

Der Buchtipp:

Anne Cheng: "Geschichte des chinesischen Denkens"

Ein hervorragendes Buch - geschrieben für jeden an der Geschichte Chinas interessierten Leser. Nach der Lektüre verstehen Sie, warum China so war und ist, wie es war und ist.

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