Die Erfindung der Ziffer Null

Ein kleiner Kreis, der die Welt veränderte.

Es verlangte einiges an Mühe, Kenntnissen und Erfahrung im Rechnen mit Zahlen, wenn beispielsweise Händler miteinander ins Geschäft kamen, Warenbestände erfassen und verwalten oder verkaufte Waren in Rechnung stellen mussten. Zwar haben schon vor mehreren tausend Jahren die Menschen ihrer Zeit Rechensysteme erfunden und angewendet, aber es dauerte seine Zeit, bis die Ziffer Null als Rechengröße erfunden und angewendet wurde. Bis dahin, beispielsweise bereits in Mesopotamien oder viel später in der Maya-Zeit wurde ein Zeichen als Platzhalter verwendet, wenn man beim Rechnen in Stellenwertsystemen das brauchte, was wir heute als Ziffer Null anwenden – oder es wurde diejenige Stelle in einer Zahl, an der es der Null bedurfte, leer gelassen. Man könnte es so formulieren: Es wurde ein Rechenwert angewendet, von dessen Notwendigkeit man wusste, ohne diesen Rechenwert zu haben.

Der Umgang mit Zahlen und das Verstehen von Berechnungen war für Ungeübte, sofern sie überhaupt die Möglichkeit und Fähigkeit zu Rechnen hatten, also vergleichsweise schwer. Den Wert eine Zahl zu erkennen, die eine Leerstelle oder ein Platzhalterzeichen enthielt, bedurfte des Wissens darum und der Erfahrung des Umgangs damit.

Soweit man heute weiß, wurde die Null als Rechenwert erstmals im 8. Jahrhundert in Indien angewendet – in Form eines Kreises. In Europa kam die Null in ihrer bis heute gültigen Bedeutung erst im 12. Jahrhundert an, als beispielsweise der Mathematiker Leonardo Fibonacci die Vorteile der Ziffer Null als Rechenwert darstellte. Sein Wissen darüber brachte er aus dem arabischen Raum mit, wo er die Anwendung der arabischen Ziffern Null bis Neun erlernt hatte. Null heißt im Arabischen „zifr“ und dieses arabische Wort ist der Namensgeber des Wortes Ziffer. Bis nach Deutschland brauchte das heute moderne Rechnen im arabischen Ziffernsystem weitere 2 Jahrhunderte, bis ein gewisser Adam Ries die Vorteile der arabischen Zahlen gegenüber der bis dahin üblichen römischen Zahlendarstellung verbreitete. Noch heute rechnen wir „nach Adam Riese“.

Es war ein kleines Zeichen, begonnen als ersatzweise verwendeter Kreis in Indien, als gleichwertige Ziffer in das seitdem allgemein verwendete Dezimalzahlensystem eingebracht, das das Miteinander der Menschen verändert, verbessert hat. Heute würde man die Entdeckung der Ziffer Null als Rechengröße vermutlich als page turner bezeichnen, der Handel, Verwaltung und Bildung dramatisch erleichtert hat.

Quellennachweise - wertvolle Anregungen, Beiträge und Informationen verdanken wir:

  • Bernd Roeck: “Der Morgen der Welt” (Beck-Verlag)
  • Robert Kaplan: “Die Geschichte der Null” (Campus-Verlag)
  • Wikipedia

Der Buchtipp:

Robert Kaplan: "Die Geschichte der Null"

Die Geschichte der Null beginnt vor der Null. Robert Kaplan zeigt in lesenswerter Weise den langen Weg der Verwendung von Platzhaltern und Leerstellen bis zur heute bekannten Ziffer Null.

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