Mansa Musa

Der vermutlich reichste Mensch aller Zeiten.

Es soll der 12. November 1323 gewesen sein, als sich im Reich von Mali eine Karawane auf den Weg nach Mekka machte. Allerdings war es keine gewöhnliche Pilgerreise, die an diesem Tag ihren Anfang nahm. Nicht nur die 6.000 Kilometer, die vor ihnen lagen und über weite Strecken durch die Wüste führten, waren eine Herausforderung. Mehr noch waren es der Umfang und die Ausstattung, die diese Pilgerreise zu einem einmaligen Ereignis machten.

Etwa 10 Jahren zuvor hatte Mansa Musa (König Musa) die Herrschaft über das Reich Mali von Mansa Abu-Bakr übernommen, der nach den Überlieferungen sein Bruder oder sein Vater war, und auch dessen Leben ist von aussergewöhnlichen Geschichten umrankt. Was Mansa Musa aber vorbereiten liess, sprengte alles zuvor und seitdem Erlebte. Mehrere zehntausend Menschen, darunter zahlreiche Mächtige des Landes, Familienmitglieder und der gesamte Hofstaat, tausende Soldaten und Skalven, über 10.000 Kamele und Unmengen an Vorräten zur Versorgung der Reisenden machten sich auf den Weg. Mit sich trugen die vermutlich bis zu 60.000 Reisenden auch mehrere Tonnen dessen, über das Mansa Musa in schier unendlicher Menge verfügte: Gold. 

In seinem riesigen Reich gab es scheinbar unerschöpfliche Vorkommen. Er ordnete an, so viel Gold als möglich zu schürfen und zusammenzutragen. Alles Gold gehörte dem König, also ihm. Schätzungen zufolge belief sich sein Reichtum nach heutigem Wert auf 400 Milliarden Dollar.

Mansa Musas Pilgerreise sollte keine gewöhnliche Reise sein. Sie sollte die prächtigste sein und die Menschen auf seinem Weg sollten von seiner Macht und seinem Reichtum erfahren. Als nach 8 Monaten Kairo erreicht wurde, bis Mekka war es weiterhin ein langer Weg, bot sich den Menschen dort ein Bild wie aus einer anderen Welt. Alle in der Karawane, Menschen und Tiere, Herrscher wie Sklaven, waren in goldbestückten Gewändern gekleidet. Zum Zeichen seiner Freundschaft und als Geste den Menschen gegenüber verschenkte Mansa Musa auf seiner Reise und auch in Kairo vermutlich Tonnen an Gold an die Bevölkerung, auch an die einfachen Menschen.

So verlockend der mehrere Monate dauernde Aufenthalt der Karawane in Kairo für die Menschen dort zunächst war, so negativ waren seine mittelfristigen Auswirkungen. Kaufleute und Händler erhielten jeden Preis, den sie verlangten und der lokale Wirtschaftsraum wurde mit Goldmengen regelrecht geflutet. Die Folge war eine rasante Inflation, die sich vermutlich auch 10 Jahre nach der Weiterreise Mansa Musas nicht beruhigt hatte.

Wie ging es weiter mit dieser einzigartigen Pilgerreise? Mansa Musa erreichte mit seiner Gefolgschaft Mekka und umschritt die Kaaba mehrmals. Monate später erneut angekommen in Kairo, umfasste seine Karawane vermutlich nur noch ein Drittel der ursprünglichen Zahl an Menschen. Mehrere zehntausend waren verstorben - von Beduinen umgebracht, erfroren oder der Hitze zum Opfer gefallen. Alles Gold war verbraucht und verschenkt. Mit geliehenem Gold schaffte es Mansa Musa zurück nach Hause. Macht und die Grösse seines Reiches hatten sich während der langen Zeit seiner Abwesenheit durch Eroberungen indessen weiter vermehrt. Mansa Musa machte das mittlerweile eroberte Timbuktu zum Zentrum der Islamischen Welt seiner Zeit und legte damit vermutlich den Grundstein für die herausragende Bedeutung dieser Stadt in der islamischen Welt und als Handelszentrum, die sie bis heute hat.

Von seinem Bruder Mansa Abu-Bakr, der ihm Macht und Reich seinerzeit übertragen hatte, hat Mansa Musa nie wieder etwas erfahren. Dessen Schicksal ist Gegenstand einer eigenen, ebenso besonderen Erzählung, deren Wahrheitsgehalt bis heute ungeklärt ist.

Quellennachweise - wertvolle Anregungen, Beiträge und Informationen verdanken wir:

  • Wikipedia
  • GEO Wissen

Der Buchtipp:

Rudolf Fischer: "Gold, Salz und Sklaven"

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